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Case Studies
Geschichten aus der Footbag-Welt
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Footbag in Peru: Jans Freiwilligendienst im Kinderheim
02.09.2007 von Olaf Hoppe

"Ein Footbag Freak ist jeder Footbagger mit Herz, Geist und Verstand."
"Cuzco / Peru Macchu Picchu Titicacasee und nur 1 Fahrstunde von Cuzco entfernt liegt das heilige Tal der Inkas - das Urubamba-Tal. Wenn Sie sich in Ihrem Urlaub um nichts kümmern möchten - wir organisieren Ihre komplette Reise (Übernachtungen, Transport, Eintritte). Durch unsere Organisation können Sie Ihre Reise entspannt genießen - zu einem günstigen Preis und mit dem Wissen, etwas Gutes zu tun. Wir organisieren Ihre Reise - Sie helfen Kindern..."
mit diesen Informationen wirbt der gemeinnützliche Verein "Peru-Hilfe-Kraichgau e.V." auf der Homepage von Chico-Tours. (www.chikistours.net) für ein außergewöhnliches Vorhaben.
Chico-Tours ist eine besondere Reise-Agentur, denn sie unterstützt das Projekts Q´oni Wasicha (Quechua: "kleines Haus, in dem man sich wohl fühlt) in Cuzco/Peru. In diesem Haus leben Straßen- und Waisenkindern, und Kinder aus armen Verhältnissen, denen dadurch ein Leben auf der Straße erspart bleibt. Sämtliche Einnahmen des Reisepreises (ca. 10 bis 15 %) kommen diesem guten Zweck zugute. Diese Kinder werden von vier peruanischen Angestellten und zwei Dienst-im-Ausland leistenden Zivis bzw. ehrenamtlich tätigen Personen aus Deutschland betreut.
Seit dem 20. Juni 2007 lebt und arbeitet Jan Konietzko in diesem Kinderheim. Da er ein begeisterter Footbager ist, hakte er in seiner Freizeit auch einmal auf dem Plaza de Armas in Cusco. Es dauerte nicht lange "...und schon kamen so etwa 30 Kids und wollten mitspielen und zuschauen...". Schnell stellte er fest das die 5 Bags, die er in der Tasche hatte, hier nicht ausreichen. Deshalb suchte er Hilfe bei den Footbag Freaks in Deutschland.
Nachdem wir ein Foto von den vielen Kids gesehen hatten, die Jan für Footbag-Sport begeistern konnte, packten wir ein extra großes Paket mit der Bitte uns mehr von seiner Tätigkeit in Peru zu berichten.
Im Porträt: Jan Konietzko (19)
02.09.2007
Hallo Jan, worauf muss man achten wenn man im Ausland solch einen Job machen möchte?
Jan: Schon lange bevor ich auf das Projekt gestoßen bin in dem ich jetzt arbeite, habe ich mich nach einem Freiwilligendienst im Ausland umgeschaut Doch es gibt nur allzu viele Organisationen, die es sich zum kommerziellen Ziel gemacht haben, erfahrungsdurstige Jugendliche aus gutem Hause gegen Bezahlung im Ausland arbeiten zu lassen. So etwas wollte ich nicht machen, so bin ich über zwei Ecken an den kleinen Verein "Peru-Hilfe-Kraichgau" in Süddeutschland gekommen, der seit 1991 ein Kinderheim hier in Cusco im Moment noch durch Spendengelder unterhält. Dort stehen jedes Jahr 2 Freiwilligen-Plätze zur Verfügung, ohne dass irgendjemand bezahlt.
Fast jeder möchte Anderen helfen, der eine holt der Oma Brötchen der andere geht mit ihrem Hündchen gassi, weshalb bist Du bis nach Lateinamerika gegangen?
Jan: Lateinamerika Dieser Begriff prägte sich vor meinem Reiseantritt durch die einzelnen Klischees der verschiedenen Länder, durch die Musik, die mich schon immer irgendwie fasziniert hat und durch den Glauben daran, dass die Menschen hier insgesamt offener sind als in Deutschland. Ich habe in Deutschland einige Menschen aus Südamerika kennen gelernt und war immer fasziniert von der sympathischen Leichtigkeit mit der sie durchs Leben zu schweben schienen.
Natürlich weiß ich nicht zuletzt seit "Las venas abiertas de Latino America" über die Probleme, mit denen man hier konfrontiert wird, wenn man sich mit dem Staatswesen, der Infrastruktur und dem Bildungswesen auseinandersetzt. Naja, so wollte ich auch im Kleinen meinen Beitrag zu einer möglichen Verbesserung leisten.
Du bist seit fast drei Monaten in Cusco, was war anders als Du Anfangs gedacht hattest?
Jan: Insgesamt hat sich mein Anfang hier -mental- sehr gut gestaltet. Ich habe nette Leute um mich herum, was auch jetzt noch einen großen Teil zu meiner Zufriedenheit beiträgt. Physisch hatte ich einige Probleme, so war ich sehr häufig krank, hatte Grippe, Durchfall, Kopfschmerzen oder Nasenbluten, was primär mit der Höhe (Cusco liegt auf ca. 3300 Meter Höhe) und den hygienischen Verhältnissen beim Essen zusammenhängt. Aber wie viel hier anders ist, mit welchen Überraschungen ich (als verwöhnter Deutscher) hier noch immer täglich konfrontiert werde, lässt sich nicht so einfach beschreiben. Vielleicht kann dieses Sprichwort Abhilfe leisten, welches ich mal aufgeschnappt habe: "Man wundert sich manchmal, dass hier überhaupt die Schwerkraft funktioniert." Ich denke, das ist schon recht aussagekräftig. Wobei ich auch nicht übertreiben möchte.
Und wie sieht ein ganz normaler Tagesablauf aus?
Jan: Morgens unterrichte ich in einer kleinen non-profit-school Englisch an Cusqueños, backe Brot für die Kids, bereite das Frühstück vor und putze, wenn nötig. Nachmittags unterrichte ich Englisch in dem Haus wo ich wohne. Ich habe also sozusagen zwei Arbeitsplätze.
Mancher würde sagen, das würde ich nicht zwei Tage machen, was planst Du für Deine Zukunft?
Jan: Meine Zukunft läuft regelmäßig in kleinen Sequenzen aufs Neue unterschiedlich in meinem Kopf ab. Aber soweit mein Plan, werde ich nächstes Jahr in Holland "European Studies" studieren und später werde ich Friedensbotschafter in der UN. Soweit mein Plan, welcher sich eigentlich nicht Plan nennen darf. Ich möchte auf jeden Fall etwas bewegen. "Gebt mir einen Platz auf dieser Erde, und ich werde die Welt bewegen." (Archimedes)
Und Footbager werden nicht nur die Welt bewegen! "Footbag all round the world"! Wie sieht die Footbag-Szene in Peru aus?
Jan: Also hier in Cusco geht (ich sollte besser sagen "ging") bisher gar nichts in Sachen Footbag, zumindest nicht über das gechillte 2 Tap-Gruppen-kicking hinausgehend. Nachdem ich nun die Kids hier im Heim und Schulkollegen von ihnen dank Eurer Hilfe mit Bags versorgen konnte, scheint sich was zu bewegen.
Ich habe immer noch ein paar Bags über, die ich jeden Sonntag auf der Plaza de Armas hier in Cusco nach einem kleinen Ranking an die Kids verschenke, die mit ihren Schuhputzartikeln oder sonstigem persönlichen Business unterwegs sind. Nachdem ich ein bisschen gespielt habe und sich ein paar Kids versammelt haben, gebe ich ihnen eine halbe Stunde Zeit um den Bag mind. 10 Mal hochzuhalten. Wer es schafft, kann einen Bag mitnehmen. Und das mache ich deshalb, weil nur diejenigen, die schon 10 Mal hochhalten können, vielleicht auch dauerhaft motiviert sein werden, den Bag zu kicken. Nicht, dass er nachher in der Ecke rum liegt. Hier im Heim kann ich dafür Sorge tragen, dass das nicht passiert.
Das ist der reine Alptraum: "ein Footbag der in der Ecke liegt"! Was bedeutet für dich Footbag?
Jan: Footbag hat eine große Bedeutung für mich entwickelt in Bezug auf die kleinen Brücken, die er baut, wenn man in öffentlichen Plätzen rumhäkt. Plötzlich gehen Leute nicht weiter, entgehen nicht der möglichen Kontaktaufnahme zu anderen Menschen. Man spielt zusammen, kommt ins Gespräch. Meiner Meinung nach ist der Footbag ein Kommunikationsinitiator.
Also, noch mal vielen Dank für die Bags und Euch da drüben alles Gute und schöne Grüße.
Kontaktadresse in Peru:
Jan Konietzko
Urb. Tupac Amaru
San Sebastian S-21
Cusco, Perù
E-Mail:
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